Alltag während Corona
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Zocken während Corona:
Fortnite overload. Game over bitte!

Ich kann es nicht mehr sehen und nicht mehr hören – Fortnite. Erst recht nicht seit Beginn der Pandemie. Denn das Online-Spiel ist bei uns zum Dauerbrenner mutiert. Wie kann ein Game nur derart nerven? Eigentlich weiß ich es, und vielleicht sieht es bei euch ja auch ähnlich aus:

Da wäre der Faktor Zeit: Es ist mit sozial verträglichen Methoden kaum möglich, eine feste Zeit zum Beenden auszumachen. Die Kinder spielen – so zumindest mein zwölfjähriger Sohn im Modus „Battle Royale“ – RUNDEN. Mit anderen Kindern. Das kann dauern. Nach den zuvor abgemachten zwei Stunden also ausmachen? Geht nicht.  Die RUNDE läuft ja noch. Es endet im Krieg. Oft. Sehr oft, zumindest bei uns. Im besten Fall wird hektisch nachverhandelt (“Jetzt noch die eine RUNDE, dann lerne ich nochmal Vokabeln, ja? Ja?”). Nervig.

Aber da kommt der Suchtfaktor ins Spiel! Die Entwickler sind gerissen. Man startet das Spiel ohne Waffen – und sucht sie im Laufe des Spiels zusammen. Schatzsuche 2.0 sozusagen. Hinzu kommt der Coolness-Faktor: Kooperationen mit angesagten Kinohits wie Star Wars, Terminator und John Wick sind halt trendy. Ebenso reichweitenstarke Youtuber, die bei Fortnite-Turnieren mal eben 120.000 Euro Preisgeld einsacken. Sieht so einfach aus! Gegenstände aus In-Game-Käufen werden zu Statussymbolen.

Deswegen ist Fortnite auch eine Geld-Fressmaschine: Das Spiel lässt sich zwar kostenlos herunterladen, bei uns ist aber trotzdem schon jede Menge Geld geflossen. Und zwar nicht in unsere Richtung. Gefühlt jeden Tag gibt es etwas Neues. Eine Spitzhacke zum Beispiel. Oder einen Rucksack. Oder Outfits. All das hat irgendwie keinen Vorteil im Spiel, sieht aber cool aus – und kostet meistens. Mal zwei Euro, manchmal auch zwanzig. Und wenn alle paar Wochen eine neue Season startet, ist der „Battlepass“ für zehn Euro natürlich fast schon Pflicht. Mit realem Geld kommen die Kinder dabei kaum in Berührung. Aufgeladen wird Online. Vorbei die Zeiten, als man fürs Hobby noch sein mühsam Erspartes über den Ladentisch schob.

Dann könnte ich das Spiel doch einfach verbieten, wenn es mich so nervt? Ja, das könnte ich. Doch es hat ja nicht nur negative Aspekte. Gerade momentan, in Zeiten der Kontaktbeschränkung, ist es eine unkomplizierte Möglichkeit, mit Freunden und Klassenkameraden in Kontakt zu bleiben. Sonst geht ja nicht viel. Gequatscht, gekichert (und leider auch gebrüllt) wird – so zumindest hier – fast durchgängig. Und das ist halt wichtig in dem Alter. Gerade in diesen Zeiten. 

Und klar, es gibt Waffen. Und es wird geschossen.  Gegner sterben aber nicht sichtbar bzw. sie verschwinden einfach unblutig. Dabei werden sie angetanzt. Es ist mehr taktisches Spiel und kein Kriegsschauplatz. Und auch die Dinge, die wir früher gekauft haben, kosteten Geld. Auch unsere Eltern haben oft nicht verstanden, warum unser Geld nun schon wieder in Sticker, Platten oder die “Bravo” floss. Und wie überall gilt auch bei Fortnite: In Maßen genossen gibt es bestimmt schlimmeres. Wenn auch mal etwas anderes gemacht wird (unsere Ausgleichs-Regeln: frische Luft, Sport, lesen). Und nach der Pandemie sind hoffentlich auch wieder viele andere Dinge interessant.

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