Reisen, Kur
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Mutter-Kind-Kur in
Winterberg – plus fünf Tipps für eine entspannte Kur

Okay, eigentlich war die Reise nach Winterberg kein Urlaub im eigentlichen Sinn, sondern eine Kur. Es fühlte sich aber an wie Urlaub – und war (bis auf kleine Abstriche) – eine richtig erholsame Reise.

Da mein Sohn als Baby und Kleinkind Neurodermitis hatte (die jetzt fast verschwunden ist) und auch starken Heuschnupfen, hat die Kinderärztin uns zu einer Kur geraten. Eingereicht habe ich den Antrag glaube ich im Mai über die Caritas, und nur wenige Zeit später kam das Okay meiner Krankenkasse (Barmer). Wir wollten auf jeden Fall noch vor dem Winter fahren, aber erfahrungsgemäß sind die Kurheime an der See, an die wir gerne gefahren wären, lange im Voraus ausgebucht. In Winterberg war noch ein Platz für uns frei, und auch in einem anderen Heim weiter südlich (hab vergessen, welches das war). Das andere Kurheim war aber viel größer, und deshalb fiel die Wahl auf Winterberg in Nordrhein-Westfalen. Etwas blöd fand ich damals, dass mein Sohn just in der Zeit der Reise, also im September,  Geburtstag hatte – aber dazu später mehr.

Hochsauerland, wir kommen!

Die Koffer haben wir vorgeschickt, da wir mit der Bahn angereist sind. Knapp fünf Stunden waren wir inklusive Umsteigen unterwegs, und als wir in die Nähe von Winterberg kamen, knackte es bei uns in den Ohren. Tja – als Norddeutsche sind 700 Höhenmeter schon mitten im Hochgebirge…

Am Bahnhof wurden wir dann abgeholt und zu dem nicht weit entfernten Kurheim gefahren. Die Mutter-Kind-Klinik St. Ursula liegt inmitten von Wäldern und ist einer der wenigen Mittelgebirgsorte, die sich “Heilklimatischer Kurort” nennen dürfen.

St. Ursula in Winterberg

Unser Reich in Winterberg: Zwei Räume plus Bad

Unsere vorgeschickten Koffer haben auch schon auf uns gewartet, und so konnten wir sie gleich mit aufs Zimmer nehmen und dann eine erste Führung machen. Es hat etwas gedauert, bis wir uns zurecht gefunden haben, da das Gebäude recht verwinkelt ist. Die Zimmer waren einfach eingerichtet, aber ziemlich groß und mit einem schönen Balkon mit Blick auf die Berge und Wälder. Es war erstmal gewöhnungsbedürftig, auf dem Zimmer keinen Fernseher zu haben, sondern nur im recht ungemütlichen Fernsehraum (war wohl so gewollt mit der Ungemütlichkeit, denk ich mir), aber auch daran haben wir uns notgedrungen gewöhnt.

Schreibtisch im Kinderzimmer

Das Hochbett wird in Beschlag genommen

Unser Balkon

Ausblick

Ausblick

Vor dem Abendessen ging es dann noch zum Aufnahmegespräch bei der Ärztin, die uns beide vermessen, kurz untersucht und zu verschiedenen Themen befragt hat. Aufgrund dessen wurden dann die verschiedenen Kurse zugeteilt. Abends beim Abendessen gab es eine feste Tischordnung, und man konnte die anderen Mütter und Kinder kennenlernen. Es war eine recht bunte Truppe mit unterschiedlichen Schicksalen. Da in der Klinik auch Trauerbewältigung angeboten wird, waren auch einige dort, die in jüngster Vergangenheit einen Todesfall zu verkraften hatten.

Am nächsten Tag haben wir unsere Pläne bekommen mit den einzelnen Kursen, darunter bei mir viel Entspannung und Sport, also beispielsweise

  • Wassergymnastik
  • Kardio-Training
  • Walking
  • Progressive Muskelentspannung

Dazu kamen noch verschiedene Gesprächskreise, um Erfahrungen auszutauschen und einen Fokus auf mehr Achtsamkeit im Alltag zu legen. Die Gespräche waren interessant und lehrreich, aber vor allem der Sport, für den man sich ja im Alltag nicht immer die Zeit nimmt, hat echt gut getan! Denn man musste sich nur Sportklamotten anziehen, in die Halle oder nach draußen gehen und danach den kurzen Weg zurück ins Zimmer zum Duschen. Der ganze oft nervige Alltag mit einkaufen, kochen, saubermachen, Termine planen etc fällt dort ja weg… Vor allem das Walken im Wald war erholsam. Anfangs fand ich das Gehen mit den Stöcken äh ja irgendwie peinlich, aber dort kannte einen ja keiner, und für die Arme und den Rücken war das ein super Training. Oft sind wir auch in kleinen Gruppe noch mal alleine los. Nach ein paar Tagen hat man so richtig schön den Kopf frei bekommen. Drei Massage-Termine waren auch dabei – natürlich ein Highlight.

Kinderbetreuung

Mein Sohn war ja zu der Zeit Zuhause noch in der Vorschule des Kindergartens und ging auch dort unten im Gebäude in die Vorschule. Die war toll gelegen Richtung Wald mit einer riesigen Fensterfront. Die anderen Kinder in seiner Gruppe (nicht nur Vorschüler) waren zwischen vier und zehn Jahre alt, mit den meisten hat er sich gut verstanden. Sie haben viel gebastelt, gelesen und sind sehr viel zusammen draußen unterwegs gewesen.

Gruppenraum im Kindergarten mit großem Wintergarten zum Wald

Er hatte auch in dem Sinne keinen eigenen Kurplan, sondern sie haben zusammen mit den Erziehern viel draußen unternommen und zum Beispiel auch Wechselbäder gemacht. Er hatte während der Zeit dreimal eine Art Atemtechnik wegen seiner Allergie. Zum Glück ist er während des Aufenthalts nicht krank geworden, andere Mütter mit kleinen Kindern waren oft tagelang in “Quarantäne” auf dem Zimmer, um die anderen nicht anzustecken. Oder die Kleinen wollten nicht in die Krippe und waren dann den ganzen Tag quengelig. Deswegen macht aus meiner Sicht eine Kur auch erst Sinn, wenn das Kind mindestens drei oder vier Jahre alt ist und schon den Kindergarten-Alltag mitgemacht hat. Bei jüngeren Kindern haben die Mütter oft nichts von der Kur, weil sie nur mit dem kranken Kind auf dem Zimmer sitzen oder die Kleinen eine harte Zeit durchmachen während der Eingewöhnung. Denn die Mütter können die Kinder nicht immer einfach abholen, wenn es nicht gut läuft, da sie sich ja selbst an den Therapieplan halten müssen. Schön für meinen Sohn war, dass er noch nicht in der Schule war, und deswegen nicht – wie einige andere Schulkinder – den Lernstoff von Zuhause durchnehmen musste. So konnte er einfach Spielen und die Angebote mitmachen.

Das Essen

Wie bei einer Kur üblich, hatten auch wir Vollverpflegung. Morgens gab es eine kleine Auswahl  Brot und Brötchen, Aufschnitt, Joghurt und Müsli. Mittags stand eine kleine Salatbar zur Verfügung und zwei oder drei Gerichte zur Auswahl. Nach dem Mittagessen konnten wir uns eine Kleinigkeit für den Nachmittag mitnehmen, darunter Obst und manchmal auch ein Stück Kuchen. Abends gab es dann eine Suppe, Brot, Gemüse und Aufschnitt. Ich sag mal: Satt geworden ist jeder, nach zwei Wochen spätestens wurde es dann aber hart. Aber ich denke, das ist spätestens nach 14 Tagen auch beim besten Hotel-Buffet so. Mein Sohn hat oft gemotzt (“bäh, trockene Vollkorn-Pizza”), aber auch er ist satt geworden. Zuuu viel darf man nicht erwarten, aber alleine, sich an den gedeckten Tisch zu setzen, bekocht zu werden und nicht alles selbst in die Spülmaschine zu räumen, fand ich sehr erleichternd und einfach nur herrlich.

Die Abende

Bei gutem Wetter haben wir uns abends oft im Außenbereich getroffen, der großzügig und schön angelegt war. Die Kinder haben dort auf dem Spielplatz gespielt, sind die Hügel rauf und runter gerast und die Mütter haben gequascht.

Der Außenbereich von St. Ursula

Mein Kursplan war tagsüber recht voll, aber zwischendurch und vor allem am Nachmittag war oft genug Zeit, mit meinem Sohn zum Beispiel in die Stadt zu gehen (etwa 15 Minuten Fußweg), dort sind ein paar schöne Geschäfte zum Bummeln. Auch in der Umgebung sind viele Ziele, die einen Ausflug lohnen: Wir sind mit der Sommerrodelbahn gefahren, haben eine Kutschfahrt gemacht und haben uns die Sprungschanze von oben angekuckt. Oder wir sind durch den Wald gewandert – für uns Küstenkinder sind so große, hügelige Wälder ja recht ungewohnt. Ein paarmal waren wir auch alleine oder mit anderen Eis essen – nach dem ganzen gesunden Essen musste das dann auch mal sein.

Auf dem Marktplatz von Winterberg

Im Wald gab es immer etwas zu entdecken

Unsere Kutsche fährt vor

Blick von der St. Georg-Sprungschanze

In der Umgebung waren viele kleine Kapellen zu entdecken

Unbedingt anschauen sollte man sich den sogenannten Winterberger Schluchten- und Brückenpfad. Der Pfad mit elf Brücken führt durch das Helletal und ist wirklich sehenswert. Man hat das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen, und das direkt hinter dem Kurpark! Der Weg führt durch Schluchten, vorbei an Wasserfällen und Biotopen und durch dichte Wälder.

Mit Buggy und Kinderwagen ist das sicher nichts, und auch feste Schuhe sollte man anziehen. Wir sind spontan auf den Pfad gegangen, ohne recht zu wissen, was uns erwartet – nach ein paar Metern hab ich gemerkt, dass Ballerinas vielleicht nicht das passende Schuhwerk sind.

 

Auch den 6. Geburtstag meines Sohnes haben wir schön verbracht. Ich hatte vorher alle Geschenke und jede Menge Deko heimlich in den Koffer gepackt und dann ganz oben im Schrank versteckt. Die Freude morgens war groß. Und warum sollten wir Geburtstag anders feiern als Zuhause? Man wird schließlich nur einmal sechs…beim Frühstück wartete dann auch ein geschmückter Platz samt Kuchen auf meinen Sohn. Nachmittags sind zwei Kinder zum Feiern gekommen, nachdem morgens schon im Kindergarten Party gemacht wurde. Er fand den Geburtstag toll – und Zuhause haben wir dann natürlich noch mal mit den Verwandten und seinen Freunden nachgefeiert.

Geschmückter Tisch im Frühstücksraum

Kinderparty im Zimmer

Fazit: Ich denke gern an die Zeit in Winterberg zurück. Nach ein paar Tagen habe ich mich unbeschwert und wie in einer großen Blase gefühlt, so ganz ohne Alltag. Kein Einkaufen, keine Arbeit, kein Haushalt, keine Wege zum Kindergarten und zurück etc. Nur wir Zwei – und die grandiose Natur. Gebracht hat es mir viel Entspannung, zwei Kilo weniger und viele Erfahrungen. Meinem Sohn hat das Klima gut getan und ihm sind immer noch viele Dinge in Erinnerung geblieben wie etwa die Waldwanderungen. Ich kann St. Ursula auf jeden Fall weiterempfehlen. Es mag komfortablere Kliniken geben, aber es kommt ja auch immer darauf an, was man aus so einem Aufenthalt macht! Manche Mütter haben nur geschimpft: Über das Essen, die Lage, die Kurse…man hatte den Eindruck, sie hatten mit einem Luxus-Aufenthalt gerechnet. Zu den Kursen sind dann einige auch nicht gegangen, und die Liste der Ausreden war lang: Sport-BH vergessen, Schwimmen geht auch nicht, Zumba schon gar nicht wegen Rücken, Waldwanderung ist zu anstrengend…schade. Von denen haben dann auch ein paar die Kur frühzeitig abgebrochen. Sie haben die Chance auf eine sehr erholsame Zeit verpasst! Aus meiner Erfahrung heraus sind nur ein paar Dinge zu beherzigen, damit es eine erholsamer Aufenthalt wird:

Tipps für eine entspannte Kur

  1. Sei nicht festgelegt auf den Ort. Du möchtest unbedingt ans Meer, weil Du meinst, die Luft dort sei am besten? Die Klinik viel Luxus bietet? Die Wartezeiten für Kliniken an Nord- und Ostsee sind oft lang, und nicht immer haben größere Häuser nur Vorteile. Die Speiseräume zum Beispiel sind dann oft riesig und entsprechend der Lärmpegel. Eine kleine Klinik ist familiärer und man kommt schneller mit den Anderen in Kontakt. Und die Luft im Heilklimaort Winterberg war meiner Meinung nach nicht weniger heilsam als an der See.
  2. Schraub Deine Erwartungen nicht zu hoch. Eine Kur ist kein Luxusurlaub. Das Essen schmeckt nicht wie Zuhause, die Zimmer sind karger und auch das Schwimmbad ist nicht immer ein Wellnesstempel. Aber wenn dein Fokus auf Entspannung, Sport und Natur liegt, fallen kleine Mängel nicht groß auf.
  3. Genieße die Zeit mit deinem Kind. So schnell wird man nicht wieder drei Wochen ohne Alltag erleben können. Und auch wenn es manchmal mit der Eingewöhnung im Kindergarten oder in der Krippe schwierig wird: Freu dich auf die Nachmittage, die du dann zur freien Verfügung hast und exklusive Zeit mit dem Kind verbringen kannst.
  4. Nutze die Angebote. Wann hast Du schon die Gelegenheit, fernab vom Alltag zur Ruhe zu kommen oder dich auch körperlich mal auszupowern? Der Therapieplan, den du erhältst, wurde unter anderem anhand der Ergebnisse der Erstuntersuchung und des Aufnahmegesprächs erstellt, es denkt sich also Jemand etwas dabei. Es macht Spaß, den inneren Schweinehund zu überwinden (viele Ausreden wegen Terminen, Stress etc, die man Zuhause hat, fallen dort ja weg), auch wenn es anstrengend ist.
  5. Überlege dir gut, ob Du mit einem ganz kleinen Kind zur Kur fahren willst. Wenn das Kind noch nicht in Krippe oder Kindergarten geht, gestaltet sich die Eingewöhnung oft schwierig. Und der Druck ist groß, da man nicht ständig das Kind frühzeitig abholen kann, denn schließlich musst Du deinen Therapieplan abarbeiten. Zudem sind viele ganz junge Kinder oft krank geworden während unserer Kur, da sie ja noch nicht die Abhärtung durch Kindergarten oder Krippe besitzen. Du sollst dich ja auch erholen, und das ist schwierig, wenn Du auf dem Zimmer sitzen musst mit deinem Kind, weil es die anderen nicht anstecken soll.

4 Kommentare

  1. Kati Warne sagt

    Vielen Dank für die tollen Bilder, du bestätigst meinen Eindruck außer, dass in verschiedenen Gruppen mittlweweile über das Essen geschwärmt wird 😛 Man solle nicht mit dem Wunsch dahin fahren 2-3 Kios da zu lassen^^. In drei Wochen sind wir da

    • Melanie sagt

      Danke für deinen Kommentar! Du wirst bestimmt eine tolle Zeit haben, ich wünsche Dir gute Erholung! Ich würde mich freuen, wenn Du danach mal berichtest, wie Du es fandest…Liebe Grüße!

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