Alltag
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Das Dilemma der Working Moms

Wenn Sarah Jessica Parker im Film “Working Mum” durch ihren Alltag hetzt und versucht, Kinder-Erziehung, Job und Beziehung unter einen Hut zu bringen, dann ist das lustig und charmant. Vielleicht auch nett anzuschauen. Spätestens, wenn sie am Ende ihre Arbeitszeit von 60 auf 40 Stunden reduziert und ihrem perfekten Mann samt perfekten Kindern in die Arme fällt, dann ist spätestens eines klar: Meine Realität sieht irgendwie anders aus.

Seit mittlerweile fünf Jahren versuche ich, Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen. Es gelingt mir mal mehr, mal weniger gut. Angespannt bleibt die Situation aber immer. Nach der Elternzeit bin ich mit 18 Stunden, verteilt auf drei Tage, wieder eingestiegen, das war recht gut zu meistern. Im Laufe der Zeit – und nach einem Jobwechsel – wurden es mehr Stunden und entsprechend mehr Stress. Auch wenn ich nicht Vollzeit arbeite (Respekt an alle, die das schaffen), so bleibt der Alltag doch eine logistische Herausforderung.

Denn den Supergau kennt jede berufstätige Mutter: Erst im Laufe der Nacht bzw. morgens wird klar, dass es heute definitiv nichts wird mit Kindergarten oder Schule. Dabei habe ich noch Glück, weil ich in solchen Notfällen von Zuhause aus arbeiten kann. Ich schreibe dann im Home Office Nachrichten oder recherchiere für Artikel. Wenn allerdings Kollegen im Urlaub sind oder wichtige Dinge die Anwesenheit in der Redaktion erforderlichen, habe auch ich ein dickes Problem. Meist springt dann der Papa ein oder die Großeltern. Von jetzt auf gleich ist das aber auch nicht immer möglich. Zum Glück habe ich es bis jetzt hinbekommen, dass meine Kinderkrank-Tage SEHR selten und an einer Hand abzuzählen sind.

Denn ich versuche alles, um meine Arbeitsleistung auch zu erbringen. Schon alleine, um meinem eigenen Anspruch auch gerecht zu werden. Klar: wenn das Kind wirklich sehr krank ist oder starkt fiebert, dann geht es vor. Mein Sohn hat es mir aber meist leicht gemacht und dann stundenlang auf den Sofa geschlafen, so dass ich mich zwischendurch an den Laptop verziehen konnte. Und bei einem Kind geht das ja auch, würde hier jetzt noch ein Kleinkind rumwuseln, sähe das natürlich anders aus.

Ob ich bei dieser Gratwanderung manchmal ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Sohn habe? Definitiv nein. Mit macht mein Job Spaß, ich mag das tägliche Geplänkel mit meinen Kollegen und einfach den Redaktionsalltag. Und schließlich verdiene ich Geld mit dem, was ich schon immer gerne getan habe: dem Schreiben. Und mein Sohn ist meist nur an drei Tagen in der Woche bis gegen 15.45 Uhr im Hort, ansonsten wird er um 13.00 Uhr abgeholt. Also kein Problem. Trotzdem bleibt es anstrengend. Denn sicher ist so ein Job als Redakteurin eigentlich nie (aber welcher Job ist das heutzutage noch?) und das macht die Sache mit dem Druck nicht besser. Dem Druck, wegen möglicher Krankheiten des Kindes bloß nicht negativ aufzufallen, nicht selber krank zu werden etc…

Aber eigentlich doch totaler Quatsch: ich fehle nicht öfter als meine Kollegen, arbeite sogar dann, wenn die Kinderkrankheit meines Sohnes es zulässt und würde nie wegen eines kleines Schnupfens zuhause bleiben. Also Grund genug, selbstbewusst für die zwei Tage im Jahr einzustehen, die ich dann wirklich nicht ins Büro gehen und auch kein Home Office einschieben kann. Ach, und hüstel, den Film “Working Mum” kucke ich trotzdem gerne…

 

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